Das Leben kann schön sein, wenn ...

wir uns nicht ablenken ließen.

Gestern war ein wirklich schöner Tag. Ich bin entspannt aufgestanden, habe ebenso entspannt gearbeitet und zum Feierabend stand ein Becher Eis auf dem Plan. Ein Freund von uns wollte auch ein Eis schlemmen.

Dieser war aber nicht wirklich entspannt, denn als er Zuhause in sein Auto stieg, stellte er einen ca. 25 cm langen Riss in der Windschutzscheibe fest. Bei den Wischern fanden wir dann ein kleines Steinchen dass wohl der Auslöser für dieses Malheur war. Natürlich ist das kein Grund zur Freude wenn die Scheibe kaputt ist, vor allen Dingen wenn das Fahrzeug relativ neu ist, doch gibt es Firmen die dies beheben können.
 
Das Eis sah lecker aus und hat ebenso lecker geschmeckt, doch irgendwie wollte kein Gespräch stattfinden. Er war bei der Autoscheibe, voll und ganz. 
Warum?
 
Der Mensch lässt sich von negativem ablenken, weil negative Ereignisse und Informationen tendenziell stärker und unmittelbarer auf unsere Aufmerksamkeit wirken. Dafür gibt es mehrere psychologische und evolutionäre Gründe:
  1. Evolutionäre Anpassung: In der Geschichte der Menschheit war es oft überlebenswichtig, auf potenzielle Gefahren schnell zu reagieren. Bedrohungen und negative Ereignisse hatten direkten Einfluss auf das Überleben. Daher haben sich Menschen darauf spezialisiert, negative Informationen schneller und intensiver wahrzunehmen und darauf zu reagieren.

  2. Negativitätsbias: Menschen neigen dazu, negative Informationen stärker zu gewichten als positive. Dieser Negativitätsbias bedeutet, dass negative Erlebnisse einen größeren Einfluss auf unsere Gedanken und Emotionen haben als positive. Dies kann dazu führen, dass wir uns länger an negative Ereignisse erinnern und intensiver darauf reagieren.

  3. Aufmerksamkeitsmechanismen: Negative Informationen erregen oft unsere Aufmerksamkeit stärker als positive. Dies kann daran liegen, dass negative Ereignisse oft unerwartet und ungewöhnlich sind, was sie besonders bemerkenswert macht. Unser Gehirn ist darauf programmiert, solche Auffälligkeiten schnell zu erkennen und zu verarbeiten.

  4. Emotionale Intensität: Negative Emotionen wie Angst, Wut und Trauer sind oft intensiver und unmittelbarer als positive Emotionen. Diese intensiven Emotionen können unsere Aufmerksamkeit fesseln und uns dazu bringen, uns stärker mit den auslösenden negativen Ereignissen oder Informationen auseinanderzusetzen.

  5. Mediale Verstärkung: Medien neigen dazu, negative Nachrichten stärker hervorzuheben, weil sie mehr Aufmerksamkeit und Reaktionen hervorrufen. Dies verstärkt den Eindruck, dass die Welt negativer ist, als sie tatsächlich ist, und lenkt unsere Aufmerksamkeit zusätzlich auf das Negative. Darauf werde ich zu einem späteren Zeitpunkt auch noch genauer eingehen.

  6. Kognitive Verzerrungen: Menschen neigen dazu, sich auf negative Aspekte zu konzentrieren und positive Aspekte zu übersehen oder zu unterschätzen. Diese kognitiven Verzerrungen können dazu führen, dass wir negative Informationen stärker wahrnehmen und uns von ihnen ablenken lassen.

Das Zusammenspiel dieser Faktoren führt dazu, dass negative Informationen und Ereignisse eine besonders starke Anziehungskraft auf unsere Aufmerksamkeit ausüben. So auch in seinem Fall. 

Wir aßen unser Eis und ich bot ihm Unterstützung an, falls sein Auto länger in die Werkstatt müsste. Zudem erinnerte ich ihn daran dass er ja aktuell Urlaub habe und dementsprechend Zeit es zu erledigen. Der Frust löste sich dann und wir konnten das Eis in aller Ruhe genießen. Ja, manchmal braucht es nur einen kleinen Hinweis, ein Anstupsen, um zu erinnern wo wir uns gedanklich gerade befinden.



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog