Als ich einkaufen ging

Und mir wieder einmal klar wurde was diese Menschen leisten müssen

Ich war vorgestern einkaufen. Der örtliche Supermarkt ist gut sortiert und die Verkäufer dort super freundlich und hilfsbereit.
Ran ans Backwaren Regal um Brötchen auszusuchen. Die Verkäuferin die am Regal nebenan arbeitete und Preisschilder wechselte sagte sie würde gleich noch einmal auffüllen, und sofort nach hinten gehen. 
Nur die Ruhe! Es waren genug Brötchen da und das sagte ich ihr auch. Sie solle sich keinen Stress machen, es ist alles da was nötig ist. Doch sie sah das anders und fing an zu erzählen.
Es wären viele krank, auch die Filialleitung sei ausgefallen und Urlaubszeit ist auch. Sie sind oft nur zu zweit oder zu dritt im Laden und wissen gar nicht wie sie das alles schaffen sollen. Von anderen Filialen kann auch niemand kommen, weil es dort nicht besser aussieht. Sie zum Beispiel hat normalerweise 
20  Wochenstunden aus denen sind nun aber 50 geworden. Sie könne bald nicht mehr. 

Ich hörte ihr zu, denn ich spürte dass es ihr gut tat ihre Situation zu schildern, sich Luft machen von all der Hektik. Ich verstand genau wie sie sich fühlte. Lange genug habe ich den gleichen Job gemacht. Das habe ich ihr auch erzählt und sie darauf hingewiesen dass es nur so lange so weitergehen kann wie alle dem zustimmen. Ich persönlich brauchte auch erst einen Nervenzusammenbruch um zu erkennen was ich mir da so angetan habe. Oder sagen wir so, was ich habe mit mir machen lassen. Es gehören bekanntlich immer zwei dazu.

Als ich anfing in diesem Berufsfeld zu arbeiten war es wirklich noch schön. Ja wirklich schön.
Es gab genug Mitarbieter und es konnte die Arbeit in Ruhe getan werden. Das was man tat war somit auch ordentlich. Doch der Druck immer mehr Umsatz zu erzielen brachte mit sich dass der Ton rauher wurde, das angenehme arbeiten immer unangenehmer, und irgendwann musstest du eben nur noch funktionieren. Am besten mit einem Lächeln im Gesicht. Immer schön freundlich bleiben bitte!
Mit den Jahren hat mich dieser Job immer mehr genervt. Zwölf Stunden Tage sind nicht prickelnd. Wenn dann der Chef noch semi gelaunt ist und die Kunden dir noch das Leben schwer machen, kann man ganz schnell mit den Nerven an seine Grenzen kommen. 
Leider ist dies normal geworden. Die Verkäufer sollen sich nicht so anstellen, dafür werden sie ja auch super bezahlt! Oh ja, so denkt der Mensch der noch nie in diesem Job gearbeitet hat.

Ich könnte mich jetzt hier groß und breit auslassen, doch das werde ich nicht tun. Es würde vermutlich ein Buch werden, so viel gäbe es zu erzählen. Gleichwohl muss ich dies ansprechen weil der Mensch vieles für so selbstverständlich hält. Und nicht nur was diesen Beruf betrifft, viele andere ebenso. 
Wo ist das Bewusstsein, das Wahrnehmen? Sieht der Chef, der Kunde, der ... nicht was andere für ihn leisten? Oder sieht er es und es ist ihm einfach egal? Kann das so lange profitabel sein und gut gehen? 
Den Mitarbeitern geht es ganz sicher nicht gut damit, doch was bleibt ihnen anderes übrig, sie müssen ja auch irgendwie ihre Rechnungen bezahlen.

Ohne die Dienstleister würde es ziemlich schlecht oder gar katastrophal aussehen. 
Der Kühlschrank wäre leer, ebenso die Vorräte aufgebraucht.
Der Kleiderschrank  hätte nichts Neues mehr, auch die Schuhe wären nicht mehr up to date.
Die Tapete würde von der Wand fallen und der Fliesenboden der schon Jahre nicht mehr gefällt müsste erstmal so bleiben. 
Die Hecke im Garten würde sich wie wild ausbreiten und das Unkraut sich seinen Weg bahnen.
Die Haare müsste man sich irgendwie selber schneiden und das Wellness Programm wäre erst einmal nur ein Wunsch.
 
Ich denke das genügt um zu verstehen was ich meine.
 
25 Jahre habe ich im Einzelhandel gearbeitet. Oft bin ich an meine Grenzen gekommen und kann mich daher in diese Menschen hineinversetzen. Eine Zeit lang war ich auch im Garten und Landschaftsbau tätig, doch das ist noch einmal eine ganz andere Nummer. Was hier der Körper leisten muss ist immens!
Daher würde ich mich freuen, ja wirklich von ganzem Herzen, dass Menschen die schwere Arbeit leisten auch dementsprechen behandelt, wertgeschätzt und entlohnt werden. Es darf bewusst werden was diese leisten und wie wichtig sie sind. 

Also, wenn du demnächst zum Beispiel einkaufen gehst, sieh nicht nur mit den Augen. Siehe was diese Menschen tun, damit es dir gut geht. Selbstverständlich ist das nicht.
Dankeschön.


 

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